29. November 2012

Gebrauchsempfehlung


Man kann sich ja nie sicher sein
und doch: hinein, hinein, hinein!
Pack die Neugier in die Tasche
schnapp dir deine Wanderflasche
und hinein, hinein, hinein!

Schau dich um und fass mal an
schmecke, rieche, robb dich ran
spinne weiter, spinn zurück
atme durch und nenn es Glück
plumps mal hin, steh wieder auf
gucke und vor allem: lauf

Nutz dein Hirn, denn es ist da
sage nicht zu selten: "ja"
spring hinein und wühl dich bunt
kauf dir einen Schweinehund
lehre ihn das Apportieren
lehr dich selbst das Reflektieren
(das macht das Erleben tiefer)

Halt den Blick mitunter schiefer
aber halt ihn immer wach
und verlern das Wörtchen: "ach"
Man kann sich nie sicher sein
und doch: hinein!
(mw)


25. November 2012

Traumes letzte Stunde

Im Tau erlischt die Nacht
Im Tau verschwimmt der Traum
Dem Tau ward er vermacht
Der Tau verleiht ihm Raum
(mw)

21. November 2012

Mühsame Beherrschung

unter Kämpfen
unter Krämpfen
halt ich bebend
unter Dämpfen
steigt es hebend
press ich nieder
sich belebend
quillt es wieder
konzentrierend
unterdrückend
doch pulsierend
überrückend
in die Glieder
aufzuhalten
kontrollierend
auszubrechen
auszuschalten
übersprudeln
niederstechen
zu versudeln
abzuschwächen
und so neig ich
und so ring ich
und so zwing ich
und so halt ich
und erkalt ich

und so schweig ich
(mw)

5. November 2012

Am Ende des Denkens

Am Ende allen Denkens
Da steht ein leeres Wort
Am Ende allen Schenkens
Sind alle Dinge fort

Am Ende allen Schreibens
Da liegt ein weißes Blatt
Am Ende allen Bleibens
Weiß man da, was man hat?
(mw)

28. Oktober 2012

Harte Zeiten


Das Jammern stößt am Hausdach an
und segelt wieder auf die Couch
Es kommt nicht an die Cola dran
Es seufzt und ruft noch einmal: "autsch"

Es nimmt sich eine Aspirin
und schaut verängstigt in die Weiten
des TVs. Die Wolken ziehn
über diese harten Zeiten
(mw)

4. April 2012

Schrittgesteuert

Ich folgte, wie wir es bei geraden Wegen
hinterfragungslos zu tun pflegen,
immer weiter dem Verlauf.
Plötzlich hörte dieser auf.

Vor mir lag das Ende allen Fließens,
unumgänglich Letztes des Ergießens,
unerwartet tut das Meer
sich vor mir auf. Ich staunte sehr.

Und mehr noch, plötzlich wurde mir erst klar,
dass ich erwartungslos gegangen war,
dass ich bloß ging, ganz gleich wohin,
als wäre das des Gehens Sinn.

Was hätte ich denn erwarten, wünschen sollen?
Und hätte ich dann den Weg so gehen wollen?
Wie schrittgesteuert kam ich doch hierher.
So dachte ich. Und stand am Meer.
(mw)

31. März 2012

flugnah

wolkenüberjagte
bergerlöste Weite
reiterlos durchritten
strömend grasdurchwogen
zeitlos ausgebreitet

zielpunktunbedrängte
winddurchjauchzte Weite
flugversprechnend hebend
friedlichkeitsdurchflossen
unzentriert begründend
(mw)

25. März 2012

überfarnt

gut getarnt
überfarnt
unterholzt sich ein Geschleich

ungestört
überhört
huscht es durch sein Eigenreich

unbekannt
lichtentwandt
lebt es still und seinesgleich

unverknüpft
weltentschlüpft
daseint es im Menschentweich
(mw)

23. Februar 2012

Hier

Gras
Schaf
Deich
Meer
Wind
Blick
hier.
(mw)

6. Februar 2012

Ein Koordinatengedicht

Luft und                          dynamisch                      Flug und
Atem                                                                     Sehnen


Leben                                                                     Wagnis


Ort und                                                                  Halt und
Ruhe                                gesichert                            Boden

(mw)

22. Januar 2012

Wissenslücke

Zeig dich, feige Lücke
Ich mach dich zur Mücke
kann ich dich erst fassen
denk ich dich in Stücke

Kann ich dich erst riechen
werd ich dich durchkriechen
denn ich kann's nicht lassen
lästiges Wiewiechen

Mann, ich will es wissen
will mein Fähnchen hissen
meine Schädelmassen
sind sonst aufgeschmissen

Ich könnt dich zerknüllen
lass dich doch enthüllen
fast muss ich dich hassen
Lücke, lass dich füllen!
(mw)

9. Januar 2012

Im Zwieblick letzter Tage

Im Zwieblick letzter Tage
schwindet manche Frage
andere hingegen steigen

Es wird neu gewichtet
wenn das Schwinden richtet
und die Weggeräusche schweigen

Alles unverändert
aber neu berändert
Muster, die sich plötzlich zeigen

Warum fängt das Begreifen
immer erst zu reifen
an, wenn sich die Zeiten neigen?

(mw)