10. Dezember 2011

Wattpfeiler

weitertreibende
Wattpfeiler, fliehend gereiht
doch muschelbewohnt.
(mw)

4. Dezember 2011

Der Mensch

Der Mensch
entwickelt sich schneller
als die Evolution
erlaubt.
(mw)

20. Juni 2011

So wie die andern auch

Die Kuh folgt ihrem Herdentrieb
denn mitzutrampeln ist ihr lieb
so wie die andern auch

So trottet sie höchst konzentriert
dass sie auch ja den Trend kapiert
so wie die andern auch
(mw)

8. Juni 2011

Jubiläumsgedicht - 4 Jahre Bild&Text


Erst das Bild macht den Text
Erst der Text macht das Bild
Siehst du, liest du mehr
Liest du, siehst du mehr

Erst das Tun macht den Kopf
Erst der Kopf macht das Tun
Lenkst du, denkst du mehr
Denkst du, lenkst du mehr

Erst die Welt macht das Wort
Erst das Wort macht die Welt
Kennst du, nennst du mehr
Nennst du, kennst du mehr
(mw)

1. Juni 2011

Lüster-Flamme


Es lüsterte den Lüster sehr
Nach seiner heißen Flamme
Doch die gab sich dafür nicht her
Die feine Wachs-Madamme

Was unsern Lüster wiederum
Aufs Innigste versengte
So brachte er sich schließlich um
Indem er sich erhängte.
(mw)

22. Mai 2011

Heimlich

Mir war so blink- und blühsam

mir war so spring- und sprühsam

so kribbelfroh zumute

Und ich verbarg nur mühsam

nur schwerlich kühlbar glühsam

das Heimliche und Gute

das Heimliche und Gute


Ich trug es tief umschlossen

von stillem Jauchz umflossen

ich trug es nah bei mir

Es war in mich gegossen

und in mir aufgesprossen

ich wusste es war hier

ich wusste es war hier

15. Mai 2011

Der Fuß des Holzregals


In einem jener Irgendwannmomente
in denen mich die Langsamkeit beschlich
als wäre sie ein hausgemachtes Stutzen

da lag ich bäuchlings auf dem Zimmerboden
der Kopf lag kinnlings auf den beiden Händen
und ich sah unerklärlich glücklisiert

dem Fuß des Holzregals beim Existieren zu
wie er leicht splitterangefranst da stand
ganz so, als wäre dies ereigniswert.
(mw)

29. April 2011

Konsistenz

Wolk ich oder stein ich
wie ist die Konsistenz
groß ich oder klein ich
wie ist die Resümenz

Flach ich oder tief ich
wenn ich nach Kenntnis tauch
grad ich oder schief ich
und baue ich denn auch

Wo bin ich auf der Waage
wie nullt sie ihr Gewicht
und ganz zum Schluss die Frage:
gewesen oder nicht
(mw)

20. April 2011

Explosion in grün


Die Bäume explodierten
in grün und grün und grün
sie sprühten und verzierten
das Zweignis sprenkelkühn.

Sie prusteten die Funken
in Wolken durchs Geschwirr
bis sie sich festgewunken
am ästlichen Gewirr

so schmissen sich die Blätter
in expansivem Drang
mit fröhlichem Geschmetter
den ganzen Wald entlang

Ich ging und sah und schaute
und schauen heißt: ich schrieb
Ich schrieb und ich verdaute
und schreiben heißt: es blieb.
(mw)

13. April 2011

Rinde III

saftig knallt es aus den Ritzen
grün bis in die Fitzelspitzen
lebenshungrig bis zur Wurzel
grundgenügsam bis zum Schnurzel
flächenwild und weich und pur
unbeirrt und schlicht und stur
(mw)

2. April 2011

Rinde II


Längst vorbei und doch nicht fort
tiefbewusst, doch ohne Wort
halb verwischt, doch fest bekernt
übermalt, doch unverlernt
unergründbar für die Scheu
längst vorbei und immer neu
(mw)

25. März 2011

Rinde I

Brot, nein Baum, nein Fantenhaut
so, nein so, nein umgebaut
hier, nein da, nein unerreicht
ja, nein nein, nein halbvielleicht
Ganzgewissheit und dann doch
Fundgefühl und Taschenloch
(mw)

13. Februar 2011

Und ist er einmal draußen


Und ist er einmal draußen
dann setzt er sich auch fort
beginnt sich auszubreiten
jetzt gleich und hier vorort

Und ist er einmal draußen
dann setzt er sich in Gang
dann folgt er dem, was möglich
dann folgt er seinem Drang

Und ist er einmal draußen
dann ist er existent
und keiner kann ihn halten
der seinen Drall nicht kennt
nur der kann ihn noch halten
der seine Logik kennt
(mw)

5. Februar 2011

Zellverständnis


Natürlich bin ich eine Zelle
habe Zellkern und Membran
Als Zelle bin ich doch geboren
das ist der mir bestimmte Plan

Na klar, ich bin ein Teil des Blatts
Hey, Nachbar, reich mir deine Wand
Als Zelle seh ich das doch ein
das sagt mir doch mein Urverstand

Das stimmt, ein bisschen bin ich Ast
weil doch mein Blatt Teil dessen ist
Als Zelle bin ich's ergo auch
das sehe ich als Realist

Schon gut, bin irgenwie auch Baum
das hat man mir schon mal erklärt
Als Zelle muss es wohl so sein
auch wenn man nie den Grund erfährt

Naja, ich weiß nicht - bin ich Wald?
das ist mir irgendwie suspekt
Als Zelle wüsst ich nicht wieso
und wo der Wald da in mir steckt

Nein, jetzt ist Schluss - der Weltenwald?
das hat doch nichts mit mir zu tun
Als Zelle bin ich Zelle. Punkt.
Der Rest kann mir gestohlen bleiben. Wirklich.
(mw)

29. Januar 2011

Das ist doch

gehupft wie gesprungen
geschnarcht wie geschneckt
geschweift wie geschwungen
gedacht wie geweckt

geklappt wie gelungen
gebuscht wie geheckt
gepfifft wie gesungen
gedacht wie geweckt
(mw)






23. Januar 2011

wusch

Und wusch ist alles anders
Und wusch ist alles weich
Bewanders, Blick, bewanders!
Es ist erträumensgleich

Und wusch ist alles anders
So weich und so beschützt
Bewanders, Blick, bewanders!
Behalt ein Bild, das nützt


Und wusch ist alles anders
Und wusch ist alles weiß
Bewanders, Blick, bewanders!
Du zahltest deinen Preis

Und wusch ist alles anders
So weiß und so verziert
Bewanders, Blick, bewanders!
Bevor die Träne dir gefriert
(mw)

18. Januar 2011

Dem Schnee


Sei willkommen, Meister aller
Weltverwandlungskünstler
Meister aller Niedersegler
sanfter Flächenbildner

Sei willkommen, König aller
Friedlichkeitserschaffer
König aller Lärmverschlucker
stiller Freudenspender

Sei willkommen, Freund des Schauens
Freund der Draußenstapfer
Freund der Jahreszeitenkinder
Freund der Welterleber
(mw)

9. Januar 2011

Grab


Wer hochvermögend stirbt ist besser dran
weil dann der Grabstein größer sein kann
(mw)