30. August 2009

Zeitfoto

Wie können wir uns da nur überlegen fühlen
Wenn wir hier im Asphalt nach toten Früchten wühlen
Wenn unser Wort "Geruch" fast immer nur "Gestank" meint
Wenn moosbewachsener Beton für uns erkrankt scheint

Wie können wir uns da für lebensechter halten
Für freier, wenn wir uns nur wochenends entfalten
Was heißt es überhaupt, das Leben echt zu leben
Und kann man die Intensität des Lebens heben

Und hebt man sie, indem man dicht beisammen wohnt
Und glaubt, dass man auf dem Entwicklungsgipfel thront
Indem man glaubt, dass Außerstädter sich vergeuden
Wir haben vielleicht mehr Struktur - doch auch mehr Freuden?
(mw)

Quelle des Bildes: Foto von Steven L. Raymer/ National Geographic/ Getty Images, entnommen aus der Zeit, Nr. 22, 20.05.2009, S. 63, Reisen, "Steine, Sand und Schmuggelgut" von Johannes Strempel.

24. August 2009

Die Birke

Der ehrwüdig silbern bekleidete Stamm

er trägt sie, all die tausend Freudeswimpel

die jubilierend im Gelüfte tanzen

und übersprudelnd lachend allen Pflanzen

ihr Credo winkend, selbsterlebt und simpel:

Erfreut euch des Lebens; seid frei durch den Stamm!

(mw)


16. August 2009

Sand

Zerfallene Sorgen
Einstige Last, groß und schwer
Eine Handvoll Zeit.
(mw)

4. August 2009

Das Aas der Dinge


Es giert der Stier, es stiert die Gier
es schnabelleckt der Geier
Ein buntbeklebtes Wünscheltier
legt buntbeklebte Eier

Ein Wille schrillt, ein Wollen schwillt
es vorfreut sich das Haben
Ein Momentanwunsch wird gestillt
und auf das Aas der Dinge
kaufstürzen sich die Raben
(mw)