27. Juni 2009

Seehund



Wir nennen dich den Hund der See
und lieben dieses sanfte Weh
in deinem Dackelblick
Wir rufen ganz ergriffen "Hach"
und stellen dir mitunter nach
und spalten dein Genick
(mw)

21. Juni 2009

Lebtags und Werktags


In allerhöchster Unvollendung
Gab ich mich der Tagverschwendung
Uhrlos glücklich hin

Ich trödelte bei jeder Tat
Geschäftigkeit als Hochverrat
Und Faulheit als Gewinn

Ich wählte nicht mein Tun, ich nahm
Was mir grad so entgegen kam
Und fragte nicht nach Sinn

Und fragte nicht nach Zweck und Tun
Und abgehakt und was kommt nun
So wie ich lebtags bin

Wie lange war das jetzt schon her
Der letzte Bummeltag. Wie sehr
Ich lebtags werktags bin.
(mw)

14. Juni 2009

Am Meer

Das himmelweite blaue Briefpapier
Das sich verspielt und unbestimmt durchwühlt
Auf einer Strandbank Herr und Frau Spazier
Die freien Blicke Salz und Wind umspült
Was denken sie? Und denken beide denn?
Und denken sie dasselbe, Gleiches, wenn?
(mw)

7. Juni 2009

Staub auf dem Schreibtisch

An einem Spinnwebfaden hat der Staub
Zum trocknen seine Wäsche aufgehängt
Vier Bliestiftanspitzkrümel spielen Laub
Der Knopf hat eine Delle reich beschenkt
Mit einem Birkensamen. Ob sie’s sieht?
Ob sie dem Nichtbeachten kurz entflieht?
(mw)

1. Juni 2009

Laberum Rhababerum

O Laberum Rhabarberum
du wörterreiches Nichts
du nimmst dem Inhalt gar nichts krumm
und am Gehalt gebricht's

Du redest im Delirium
und hörst dir selbst nicht zu
O Laberum Rhabarberum
der Quark wär gern wie du

O Laberum Rhabarberum
du wörterreiches Ich
du findest schweigen ziemlich dumm
denn dann, dann spürst du dich

Du quirlst dich ins Delirium
und hörst dir selbst nie zu
O Laberum Rhabarberum
du wärst so gern wie du
(mw)